Kurzurlaub an der türkischen Westküste – Ein Erfahrungsbericht
In vielen Zeitungen und Zeitschriften fand sich Anfang des Jahres eine Anzeige für einen einwöchigen Urlaub in der Ägäis. Zum Programm gehörten unter anderem der Besuch von historischen Stätten wir Troja, Pergamon und Ephesos. Im Preis von etwas über 300 Euro waren der Flug, die Unterbringung und das Frühstück sowie ein Teil der Ausflüge enthalten. Was kann man von solch einer Pauschalreise erwarten? Ein paar Eindrücke seine an dieser Stelle geschildert.
Unser Flug startete von Berlin-Schönefeld mit einer Chartermaschine von Sky Airlines. Insgesamt 180 Fluggäste fasste die Maschine (eine Boeing 327), die Sitze waren allerdings extrem eng. Für Jemanden mit einer Körpergröße wie ich (1,88m) war die knapp dreistündige Flugreise gerade so noch zu ertragen.
Am Flughafen in Izmir wurden wir dann von modernen Reisebussen abgeholt, mit denen wir dann auch die nächsten Tage umhergefahren wurden. Hier gab es nichts zu beanstanden: Die Sitze waren bequem, das Klima im Bus angenehm, der Fahrer routiniert und nicht draufgängerisch. Der Reiseführer zeigte sich kompetent, beherrschte die deutsche Sprache hervorragend und vermittelte viel Interessantes nicht nur über die historischen Städten, die besucht wurden, sondern auch über Land und Leute, Gepflogenheiten und historische Zusammenhänge.
Ärgerlich war dann aber die Art und Weise, wie die Zusatzleistungen für die Reise an den Mann und die Frau gebracht wurden. Noch während der einstündigen Fahrt zum Hotel wurden wir darüber informiert, dass man ein „Sorglospaket“ – Abendbrot und Eintritte für die regulären Besuche (129€), zwei fakultative Ausflüge (je 49€) sowie das Mittagessen auf den Ausflügen (pro Tag 10 Euro) buchen könnte, sich aber bis zum Eintreffen im Hotel entscheiden müsse. Bis auf die fakultativen Ausflüge waren diese „Sonderleistungen“ in den Reiseunterlagen nicht ausgepreist. Da ich diese Form der Überrumpelung ablehne, entschieden wir uns nur für die Ausflüge. Das Bezahlen des Mittagessens vor Ort stellte kein Problem dar, Alternativen gab es dazu jedoch nicht, denn meist wurden abseits liegende Vertragshotels angefahren. Bis auf ein einziges Mal waren diese aber hinsichtlich der Qualität der Speisen in Ordnung. Fast immer gab es Büffets, bei denen jeder das und so viel essen konnte, wie er wollte. Aufpassen musste man allerdings bei den Preisen für die extra zu zahlenden Getränke. So kostete ein kleines Bier (0,33l) und ein Wein (0,2l) im Schnitt 6 Euro, beim teuersten Anbieter gleich mal zehn. Dummerweise war dies ausgerechnet der mit dem miserablen Essen – zerkochter Fisch mit zentimeterdicker Panade…
Die meisten der besuchten Hotels werden sich zwar sicher nicht bei Luxushotel-Tester.de finden lassen, schlecht waren sie deshalb noch lange nicht. Größe und Sauberkeit der Zimmer waren in Ordnung, einmal sogar richtig toll. Das Flair der Häuser zeigte sich sehr unterschiedlich, vom hochmodernen Neubau bis hin zum über 30 Jahre alten Hotel türkischen Standards, das meiner Meinung nach jedoch den größten Charme hatte. Ärgerlich war dort nur, dass zum Samstagabend eine Band bis kurz vor Mitternacht im Foyer spielte. Dank der baulichen Beschaffenheit des Hotels war aber jedes Löffelklappern bis ins Zimmer zu hören. Pech für alle die, die schlafen wollten.
Gewöhnen muss man sich als Deutscher auch an die fehlende DIN-Normierung in türkischen Hotels: Nicht alle Stufen sind gleich hoch, die Durchgänge manchmal hart an der Schmerzgrenze. Mit ein wenig Aufpassen sind größere Schäden aber zu vermeiden. Im modernsten Hotel war hingegen der Fahrstuhl extrem klein und fasste kaum mehr als drei, vier Personen. Das ist natürlich ärgerlich, wenn man im sechsten Stock wohnt, und zum Beispiel beim Abendbrot alle gleichzeitig nach unten wollen. Apropos Abendbrot: Wir hatten wie gesagt auf dessen Buchung verzichtet, mussten uns aber deshalb von unterwegs Sachen zum Essen mitnehmen, weil die Hotels meist etwas abseits vom Schuss lagen, bei einem so weit, dass ringsherum überhaupt keine alternativen Angebote zu finden waren. Das Essen konnten wir nur heimlich „einschleppen“, weil so was gar nicht gern gesehen wird. Sicher wäre es auch möglich gewesen, am Abend die Teilnahme am überreichlichen Büffet zu buchen aber die Menge von Frühstück und Mittag waren mehr als reichlich, so dass abends ein einfacher Imbiss genügte.
Teil der Reise waren auch die Besuche in drei Verkaufsstellen – einer für Schmuck, einer für Teppiche und einer für Leder. Ein bisschen zu viel in so kurzer Zeit aber sicher auch mal sehenswert. Gerade in diesen drei Bereichen haben die Türken großartige handwerkliche Fähigkeiten und wer wirklich etwas kaufen will, der kann dies ruhig in der Türkei tun. Handeln gehört hier aber unbedingt zum Geschäft! Wirklich genötigt gefühlt haben wir uns bei keiner dieser Veranstaltungen auch wenn die Türken sehr gute Verkäufer sind, die es ihren Kunden schwer machen, nein zu sagen.
Insgesamt muss ich sagen, dass die Reise nicht „billig“ war, in dem Sinne, dass wir wenig Geld ausgegeben hätten. Überschlägt man jedoch, was man als Individualtourist, der all die Zentren der Antike besuchen will, ausgegeben hätte, so kommt man mit einer Pauschalreise sicher nicht schlechter. Es ist bequem, man muss sich um nichts kümmern und wird bis direkt vor die Tür gefahren. Von Land und Leuten bekommt man so außer durchs Busfenster nicht wirklich viel mit aber andererseits soll ein Urlaub ja auch zur Erholung dienen. Das hat er unbestreitbar auch getan und wir sind nach einer Woche voller neuer Eindrücke zurückgekehrt.
Fazit: Man kann solch eine Pauschalreise durchaus antreten, sollte allerdings damit leben können, dass man nur einen, durch den Massentourismus schon ziemlich „versauten“ Teil des Landes sieht. Das schlägt sich unter anderem in den Preisen nieder, hauptsächlich aber in der wesentlich reservierteren Art dieser als sehr gastfreundschaftlich bekannten Menschen. Für mich persönlich stand in erster Linie die Tatsache im Vordergrund, endlich einmal Troja, einen Traumort meiner Kindheit, besuchen zu können. Ephesos stellte sich aber – trotz zahlloser Kreuzfahrttouristen – als der interessantere Platz heraus – vor allem weil dort viel mehr zu sehen ist als an Schliemanns Wirkungsstätte.











