Warnemünde – Ausflugsziel im Sommer und Winter
Text & Bilder: (C) Th. Delecat
Nirgendwo sonst in Ostdeutschland sind die Quadratmeterpreise so hoch wie in Warnemünde. Das Strandband bei Rostock hat sich schon wenige Jahre nach der Wende zu einem der wichtigsten, touristischen Orte in ganz Deutschland entwickelt. Zu Recht.Der schier endlose, sanft geschwungene Ostseestrand, dass an manchen Tagen fast türkisblaue Wasser und natürlich die kleinen Häuser und gemütlichen Gassen verleihen Warnemünde einen besonderen Charme. Hier hat die DDR nicht baulich gewütet, wie in dem nur wenige Kilometer entfernten Lichtenhagen. Hier wirkt alles noch so, wie vor hundert Jahren. Das heißt: Fast alles. Zwei ganz spezielle sozialistische Bauwerke stehen dann doch in Warnemünde.
Warnemünder Teepott
Da wäre zum einen der sogenannte Teepott. Das direkt neben dem berühmten Warnemünder Leuchtturm gelegene Bauwerk von 1967 wurde in der sogenannten Hyparschalenarchitektur entworfen. So gar nicht Platte – vielmehr filigrane futuristische Linien, die von einem teilweise nur wenige Zentimeter dicken Dach umrahmt werden. Die neue katholische Kirche in Rostock ist übrigens nach dem gleichen Prinzip gebaut worden – für all jene Warnemünde-Touristen, die sich für Architektur interessieren.
Das zweite sozialistische Bauwerk ist weniger filigran. Vom Teepott aus folgt der Warnemünde-Tourist der prachtvollen Strandpromenade Richtung Westen. Schon von weitem fällt ein riesiger Zweckbau auf. Es handelt sich um das berüchtigte Hotel Neptun, jener 1971 errichteten Anlage, um die sich in Zeiten des Kalten Krieges zahlreiche Agentengeschichten rankten. Heute wie damals ist das Hotel Neptun ein luxuriöses Gebäude, das eine herrliche Aussicht auf die Ostsee bietet.
Tor nach Skandinavien
Der Name Warnemünde leitet sich übrigens aus der Warnow ab, jenem Fluss, um dessen Mündung herum Rostock gebaut wurde. Weite Teile dienen heute Hafen- und Werftbetrieb der Ostseemetropole. Ein Grund, warum man in Warnemünde fast im Halbstundentakt riesige Kreuzfahrtschiffe aus Skandinavien einlaufen sieht. Der kleine Ort, der formal längst von Rostock eingemeindet wurde, ist einer der wichtigsten Knotenpunkte für den Verkehr zwischen Schweden, Dänemark, das Baltikum und Kontinentaleuropa. Entsprechend viele Sprachen hört man auch, wenn man durch die Gassen von Warnemünde schlendert.
Und auch die beiden Signalleuchten, irrtümlich oft als Leuchttürme bezeichnet, sind dem Hafenbetrieb geschuldet. Sie markieren Fahrrinne und Einfahrt in die Warnow. Auf der linken Hand dann der Strand, Warnemünde und tausende von Badegästen, auf der rechten Hand der luxuriöse Yachtclub und der wesentlich naturbelassenere Strandabschnitt Hohe Düne. Gerade hier lohnen sich lange Spaziergänge, zumal man vergleichsweise wenigen Touristen über den Weg läuft.
Warnemünde im Winter
Übrigens: Wer statt Badeurlaub eher Ruhe und die Kräfte der Natur sucht, der sollte Warnemünde im Winter besuchen. Wenn Eisschollen auf der Ostsee treiben, der Strand verschneit ist und die Luft kristallklar – spätestens dann verliebt sich jeder in Warnemünde. Einige Stunden, in warme und wetterfeste Klamotten verpackt am Strand, reinigen im wahrsten Sinne die Seele.














