Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer gekentert
Die Bilder vom sinkenden Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ gehen derzeit um die Welt. Mehr als 4.200 Menschen waren an Bord, als das Schiff an der Küste der Toskana auf einen Felsen läuft und zu sinken beginnt. Zahlreiche Urlauber geraten und Panik und springen ins Wasser. Für einige kommt jede Hilfe zu spät, derzeit gibt es noch keine endgültige offizielle Zahl der Todesopfer. Ein Großteil der Passagiere und der Besatzungsmitglieder wird über Rettungsboote auf die nahe Insel Goglio evakuiert.
Die Suche nach den Ursachen für die Katastrophe hat begonnen, der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes wurde „wegen Verdunklungsgefahr“ festgenommen. Der die Untersuchung leitende Staatsanwalt wirft ihm vor, die Route geändert und der Insel zu nahe gekommen zu sein. Passagiere beschreiben die Rettungsaktion als chaotisch, vom Bordpersonal sei wenig zu sehen gewesen, Rettungswesten habe man sich selbst besorgen müssen. Angeblich soll das Personal notwendige Schritte gar verzögert und die Havarie geleugnet haben. Der Kapitän, der ja bekanntermaßen als letzter das Schiff verlassen soll, sei bereits während der laufenden Evakuierung von Bord gegangen. Der Kapitän bestreitet diese Vorwürfe und behauptet, dass der Felsen, auf den die „Costa Concordia” aufgelaufen sei, in den Seekarten nicht verzeichnet sei.
Seit Jahren wächst der Kreuzfahrtmarkt in Deutschland und in ganz Europa deutlich, Kreuzfahrten sind das Segment mit den höchsten Wachstumsraten, sowohl was den Umsatz als auch was die Passagierzahlen betrifft. Ein Wachstum, das jedoch nicht ohne Probleme vonstatten geht. Erst vor zwei Wochen erschien ein der Welt ein Artikel unter dem Titel „Das sind die Schattenseiten des Kreuzfahrt-Booms“, der aber vor allem „Erlebnis“-Nachteile für Urlauber im Blick hat.
Andere Kritiken bezeichnen die Kreuzschiffe hinsichtlich ihrer Umweltverschmutzung (z.B. fehlende Rußfilter) als „Billigflieger auf See“ (NABU). Mangelnde Sicherheit an Bord spielt bisher kaum eine Rolle bei der negativen Beurteilung der Kreuzfahrtindustrie. Nimmt man das Bild vom „Billigflieger auf See“ ernst, ist jedoch zu erwarten, dass hier noch Einiges ans Tageslicht kommt. Die Kreuzfahrtindustrie wäre nicht die erste Branche, bei der extrem schnelles Wachstum und wachsender Konkurrenzdruck mit Defiziten hinsichtlich Ausbildung des Personals, Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und gefährlichen „Sparmaßnahmen“ einhergeht.
Im April jährt sich der 100ste Jahrestag des Untergangs der Titanic. Über kurz oder lang werden sicher die Vergleiche zu diesem größten zivilen Schiffsunglück der Neuzeit gezogen werden. Eins ist auf jeden Fall jetzt schon absehbar: So wie mit der Titanic der Mythos von der Unsinkbarkeit unterging, so wird der Untergang der „Costa Concordia“ zu einer umfassenden Neubewertung der Sicherheit der Kreuzfahrtschiffe führen.











